Heimat- und Geschichtsverein Sydekum zu Münden e. V

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Reformation und Glaubensflüchtlinge –

                                                               ein Rundgang in Münden“

Datum:  29.07.2017

Treffpunkt: Ägidien-Kirche, Hann. Münden

Zeit: 10 Uhr

Reformation und Glaubensflüchtlinge – ein Rundgang in Münden

Die Reformation, die Ursache der konfessionellen Spaltung Europas im 16. Jahrhundert, führte dazu, dass Protestanten nicht nur aus vielen Teilen des Heiligen römischen Reichs zwangsweise in dessen evangelische Teile wechseln mussten – aber auch umgekehrt wurden Vertreibungen „Altgläubiger“ durchgeführt.
Die Glaubensflüchtlinge, hauptsächlich Reformierte, aber auch Lutheraner und Anglikaner, durften in ihren Herkunftsländern ihren Glauben nicht ausüben und keine politischen Ämter übernehmen. Der Migrationsstrom war unterschiedlich stark, hielt aber während der ganzen frühen Neuzeit an.

Auch in Münden sind noch heute diese Auswirkungen an Hand von Häusern sichtbar.

Gegenreformatorische Maßnahmen lösten vor allem im Bereich des heutigen Österreich / Bayern Vertreibungen von Evangelischen  aus: 1731 aus dem Fürsterzbistum Salzburg und 1732 aus der Fürstpropstei Berchtesgaden.
Am 26. Oktober 1732 erließ der Berchtesgadener Fürstpropst Cajetan Anton von Notthaft das Emigrationspatent. Die Neugläubigen sollten innerhalb von sechs Monaten ausreisen. Zahlreiche Länder bewarben sich um die Aufnahme der evangelischen Berchtesgadener; aber nur Kurhannover und Preußen konnten Ausreisewillige für ihre Länder gewinnen. Sie hatten sich verpflichtet, die Abzugs-Steuer von 5 Gulden pro Person für die Unvermögenden zu entrichten. Ein Reskript vom 18. Mai 1733 sichert dem Magistrat von Münden 14 Emigrantenfamilien von Holzschnitzern, Baumwoll-Strumpfwebern und Schachtelmachern zu.

Für diese wurden, von ursprünglich geplanten „10 neuen Häusern nach dem hergegebenen Risse“, wie der Kontrakt mit der Stadt Münden vom 12. August 1733 festhielt, nur 5 Emigrantenhäuser tatsächlich errichtet: ein Doppelhaus, Radbrunnen Straße 17, vor dem Ziegelpfortenturm auf dem aufgelassenen Ende der Ziegelstraße und drei weitere „auf dem Kirch-horste zu St. Egidii“, wo am dritten Tage nach der Eroberung der Stadt durch Tilly der explodierende Pulverturm eine große Freifläche geschlagen hatte.

Eine andere Art fehlender Toleranz dieser Zeit war die Tatsache, dass die Ausübung der Religion für Anhänger der Lehre von Calvin und Zwingli im Kurfürstentum Hannover verboten war.

Bereits um 1700 hatte die Handelsstadt Münden („Klein Bremen“) auch zahlreiche reformierte Gläubige aus Hessen und Bremen angezogen, die ihre Religion nur im benachbarten Wilhelmshausen bzw. Vaake ausüben konnten. So finden sich in den dortigen Kirchen-Büchern zahlreiche Einträge, z.B. Konfirmationen von Lehrlingen aus Bremen. Am 11. Mai 1708 erlangten sie im rein lutherischen Kurfürstentum ein Patent von Georg Ludwig I. zur Einrichtung einer eigenen reformierten Gemeinde „in einem Privathaus“. Das baufällige Gasthaus ZUM FISCH konnte 1710 erworben und durch die reformierte Fachwerkkirche ersetzt werden. Seit dem 25. Oktober 1711 findet dort der Gottesdienst statt. Mit vielen hugenottischen Gemeinden gehört seit 1708 die reformierte Gemeinde zur „Niedersächsischen Konföderation“.

Im Rahmen einer Exkursion des Heimat- und Geschichtsvereins Sydekum am Samstag, den 29. Juli 2017 will Dr. Siegfried Lotze  die drei genannten Standorte der Häuser ansteuern und deren Geschichte verdeutlichen. Beginn ist um 10 Uhr an der Ägidien-Kirche. Zeitdauer der Exkursion, etwa 2  Stunden.

Kosten: keine; eine kleine Zuwendung für den Verein wird gerne entgegengenommen.