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Rückblick: Gedenkveranstaltung am 27. Januar

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Rückblick: Gedenkveranstaltung am 27. Januar

Geschichtsverein Sydekum – Geschichte erleben in Hann. Münden
Veröffentlicht von Wulf Richter in Veranstaltungen · Freitag 30 Jan 2026 · Lesezeit 3 Minuten
Tags: Ankündigung
Kommentar des Geschichtsvereins Sydekum
Der Geschichtsverein Sydekum versteht das Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus als eine zentrale Aufgabe historischer Bildungsarbeit in Hann. Münden. Gedenktage wie der 27. Januar erinnern uns daran, dass Unrecht, Ausgrenzung und Gewalt nicht abstrakt sind, sondern konkrete Spuren in unserer Stadt hinterlassen haben. Die Beschäftigung mit diesen lokalen Biografien ist für uns ein wesentlicher Beitrag zu einer lebendigen Erinnerungskultur und zu einer demokratischen Gegenwart, die aus der Geschichte lernt.

Holocaustgedenktag in Hann. Münden – Erinnerung, Verantwortung und lokale Geschichte
Am 27. Januar gedachte die Stadt Hann. Münden gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau vor 81 Jahren. An der Stele vor dem Rathaus erinnerten Bürgermeister Tobias Dannenberg sowie Sarah Heerlein und Stefan Schäfer vom Stadtarchiv an die Millionen Opfer des nationalsozialistischen Terrors – und an die Verantwortung, die daraus bis heute erwächst.
Demokratie schützen – damals wie heute
In seiner Ansprache betonte Bürgermeister Dannenberg, dass Freiheit, Menschenwürde und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten seien. Sie müssten aktiv gelebt, verteidigt und immer wieder neu eingeübt werden. Die Geschichte zeige, wie schnell demokratische Strukturen erodieren können, wenn Gleichgültigkeit, Extremismus oder politische Selbstüberschätzung Raum gewinnen.
Auch Stadtarchivar Stefan Schäfer erinnerte daran, dass die Zerstörung der Weimarer Republik nicht plötzlich geschah, sondern durch politische Fehlentscheidungen und das Unterschätzen extremistischer Kräfte vorbereitet wurde. Die Lehre daraus sei eindeutig: Rechtsstaatliche Mittel müssten konsequent genutzt werden, um verfassungsfeindlichen Tendenzen entgegenzutreten. Schäfer rief dazu auf, angesichts aktueller Krisen und Konflikte nicht zu resignieren, sondern sich aktiv für demokratische Werte einzusetzen.
Das Schicksal der Familie Proskauer – lokale Geschichte als Mahnung
Besonders eindrücklich wurde die Gedenkveranstaltung durch den Blick auf eine jüdische Familie aus Hann. Münden. Sarah Heerlein schilderte das Schicksal der Familie Proskauer, die in der Hinterstraße lebte. Betty und Julius Proskauer wurden 1942 über Hannover-Ahlem in das Warschauer Ghetto deportiert und später für tot erklärt. Auch weitere Angehörige der Familie wurden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.
Heerlein erinnerte unter anderem an Eugen Proskauer, der 1935 im Zuge der Nürnberger Rassengesetze verhaftet wurde und in der Haft keinen Ausweg mehr sah. Ebenso berichtete sie vom jungen Erwin Proskauer, der 1939 von einem gewaltbereiten Mob zusammengeschlagen und in die Werra gestoßen wurde.
Diese Beispiele zeigen, dass die Verbrechen des NS-Regimes nicht fern oder abstrakt waren – sie geschahen mitten in Hann. Münden, in den Straßen und Häusern der eigenen Stadtgemeinschaft.
Zeitzeugenschaft und europäische Erinnerung
Im Anschluss an die Gedenkfeier hielt Stefan Schäfer im Corvinushaus einen Vortrag über seinen Besuch im polnischen Łódź. Dabei sprach er unter anderem über den Holocaust-Überlebenden und Zeitzeugen Leon Weintraub, dessen Lebensgeschichte eindrucksvoll verdeutlicht, wie wichtig persönliche Erinnerungen für das historische Verständnis und die heutige Demokratiebildung sind.
Erinnern heißt Verantwortung übernehmen
Die Gedenkveranstaltung machte deutlich, dass Erinnerungskultur nicht nur der Vergangenheit gilt. Sie richtet sich an die Gegenwart und an die Zukunft.
Aus den Geschichten der Opfer – auch aus Hann. Münden – erwächst die Verpflichtung, wachsam zu bleiben, menschenfeindlichen Ideologien entgegenzutreten und demokratische Werte zu schützen.
Erinnern bedeutet, den Opfern ihre Würde zurückzugeben und dafür zu sorgen, dass ihre Geschichten nicht im Vergessen verschwinden.


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Über den Geschichtsverein Sydekum

Der Geschichtsverein Sydekum erforscht und vermittelt seit 1972 die Geschichte, Kultur und Wirtschaft unserer Region. Wir unterstützen Museum und Archiv, organisieren Vorträge, Gesprächskreise und Exkursionen und stellen Vereinspublikationen vor. Interessierte sind herzlich eingeladen, mitzumachen und Geschichte lebendig zu halten.
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